Über Selbstliebe, Selbstfürsorge und meine sensible Seite, die mich manchmal ganz schön überrollt…


Überall in den sozialen Medien und auch offline in den Printmedien liest man seit einiger Zeit immer mehr und mehr über Selbstfürsorge und Selbstliebe. Aber was ist das eigentlich? Was bedeutet das für jeden einzelnen von uns…? Ist das bei allen gleich oder definiert das jeder von uns anders?

Ich finde die beiden Begriffe hören sich erstmal richtig toll an! Aber reicht es, dass ich, wenn ich mich beispielsweise gesund ernähre, mich ausreichend bewege, Zeit mit meinen Lieben verbringe und auf ausreichend Schlaf achte, ich dann glücklich und zufrieden bin? Ist das genug Selbstfürsorge…

Genau diese Dinge waren und sind mir wichtig. Allerdings nicht, weil ich das irgendwo gelesen habe, sondern weil mein Körper es braucht und ich vieles erst lernen musste, da ich sehr sensibel auf weniger Schlaf oder unregelmäßige Mahlzeiten reagiere. Ich habe wirklich viele Jahre mit mir gehadert und mich gefragt warum Andere weniger Probleme damit haben, bis ich es akzeptiert habe und mehr auf mich und meine eigenen Bedürfnisse geachtet habe. Und das ist in meinen Augen am wichtigsten – wir alle haben unterschiedliche Bedürfnisse, die wir alle unterschiedlich definieren. Selbstfürsorge bedeutet für mich, dass jeder von uns ganz unterschiedlich damit umgehen darf und muss, dass wir uns nicht vergleichen, sondern jeder individuell bestimmt, was ihm gut tut und sich nicht dafür rechtfertigen muss.

Aber ist das genug Selbstfürsorge? Ich achte auf wichtige Bedürfnisse und somit geht es mir gut und ich führe ein glückliches und zufriedenes Leben… Ist das schon Selbstliebe? Reicht das?

Ich persönlich habe im letzten Jahr gemerkt, dass es nicht reicht….

Und schon bin ich beim Thema Hochsensibilität angekommen. Ich habe vor knapp 4 Jahren zum ersten Mal darüber gelesen und war damals sehr erleichtert, endlich zu wissen, warum mir manche Dinge so schwer fallen und ich mich wenn viele Menschen um mich herum sind oft wie ein Alien fühle… Trotzdem hat es noch sehr lange gedauert, bis ich bereit dazu war, meine „besonderen“ Bedürfnisse (die gar nicht so besonders sein sollten, denn ca. 15-20 % der Menschen sind hochsensibel) zu akzeptieren und mir dafür genug Selbstliebe einzugestehen.

Genug um den heißen Brei herum geredet…. ich habe im letzten Jahr meinen Teilzeitjob als Ergotherapeutin gekündigt, nachdem ich zuvor schon Stunden gekürzt hatte und wirklich einige Monate gekämpft habe obwohl die Arbeit mir immer mehr Energie geraubt hat als dass ich in der Lage war aufzutanken geschweige denn zu geben…

Da konnte ich noch so gesund essen, genug schlafen, mich bewegen und meine Aufmerksamkeit auf schöne Dinge lenken – es hat nicht gereicht. Ich konnte noch so viele Yogaübungen machen oder meditieten – auch wenn ich es mir gewünscht habe – es hat nicht geholfen, mich besser zu fokussieren. Meine sensible Seite hat mich überrollt und es kam wirklich der Punkt, an dem nichts gar nichts mehr ging.

Das war eine schwierige Zeit und ich bin unheimlich froh, dass ich es geschafft habe, Schritt für Schritt meine Akkus wieder aufzuladen.  Meine sensiblen und introvertierten Akkus werden schneller leer. Vor allem werden sie dann schneller leer, wenn wir Introvertierten mit anderen Menschen zusammen sind. Das kommt daher, dass unser Gehirn schneller Dopamin ausschüttet. Darauf habe ich lange Zeit nicht geachtet. Jetzt weiß ich es und habe deshalb auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich von Festen oder Feiern gerne früher nach Hause gehe und auch im Alltag immer wieder Pausen, Zeit und Ruhe für mich alleine brauche.

Selbstliebe bedeutet für mich, dass meine ganz persönlichen Bedürfnisse es mir wert sind, darauf zu achten. Denn nur wenn ich gut für mich selbst sorge, kann ich meine Freundschaft und Liebe auch anderen schenken! Oder anders gesagt, wenn die Keksdose leer ist, kann ich keine Kekse teilen…

Liebe Grüße
Daniela