Viel mehr als nur ein paar Blaubeeren in meinem Kopf…

Vor einigen Jahren als meine Töchter noch die Grundschule besuchten, war ich an der Organisation des Schulfestes beteiligt – nicht ganz freiwillig, doch damals konnte ich noch nicht „nein“ sagen und fühlte mich allzu oft verpflichtet gewisse Dinge zu tun….

Ich wurde als Elternsprecherin in der Klasse der jüngeren Tochter gewählt, da die meisten anderen Eltern bereits Ämter in Klassen von Geschwisterkindern ausübten und ich – bisher ohne weiteres Amt – mich dazu verpflichtet fühlte…. Ausrede hatte ich keine!

An und für sich bedeutet der Job des Elternbeirates auch nicht wirklich viel Arbeit. Doch ausgerechnet in jenem Jahr stand das Schulfest an und ohne es wirklich zu wollen, sondern weil ich wieder mal nicht „nein“ sagen konnte und ich mich verpflichtet fühlte, war unsere Klasse für die Organisation des Essensstandes zuständig. Da wurden nicht nur ein paar Würstchen gegrillt, sondern es gab eine große Auswahl an verschiedenen Gerichten – das wird immer so gehandhabt, kommt gut an und der anschließende Erlös spricht für sich… Also machten wir uns an die Arbeit. Denn ich war ja zum Glück nicht alleine, sondern hatte Hilfe von anderen engagierten Eltern.

Ja, mich stressten die Elternbeiratssitzungen und Besprechungen, die wir führen mussten. Diese immer wiederkehrenden Diskussionen ohne auf den Punkt zu kommen und diese Zeit die unproduktiv verstrich. Auch die einzelnen Persönlichkeiten und immer wieder sich änderten Stimmungen meiner Mitstreiter raubten mir sehr viel Energie und beschäftigten mich die ganze Zeit, da ich mein Kopfkino so schlecht ausstellen konnte.

Von Hochsensibilität hatte ich damals noch nichts gehört und fühlte mich einfach nur komisch und anders und konnte nicht einordnen, warum ich mir soviel Stress machte, den ich schon körperlich fühlen konnte während die anderen scheinbar ruhig und entspannt waren und es egal war, ob der Punkt auf unserer Liste erledigt war oder nicht.

Ich wusste nicht, dass ich zu den Menschen gehöre, die viel mehr Sinnesreize wahrnehmen als andere, da wir diese nicht filtern können sondern alles ohne vorher aussortiert in unserem Gehirn verarbeitet wird. Ich reagiere sehr sensibel auf eine laute Geräuschkulisse und Menschen um mich herum, die laut und schnell sprechen. Außerdem mag ich es nicht, wenn es zu eng ist und ich keine Bewegungsfreiheit habe, nehme Kälte und Wärme sowie unterschiedliche Lichtverhältnisse und Gerüche stark wahr. All das kann zur Reizüberflutung führen. Am heftigsten für mich ist es aber, die unterschiedlichen Gefühle und Stimmungen der Menschen um mich herum aufzunehmen und wahrzunehmen – das macht die Reizüberforderung komplett!!!

Dann war es soweit – der Tag des Schulfestes! Wir hatten es geschafft, am Vortag noch alles aufgebaut und es lief einwandfrei – okay, der Ansturm war groß, alle hatten Hunger, die Wartezeit bis jeder sein Essen in den Händen halten konnte war teilweise etwas länger, aber das ist normal!

Ich habe vorher beim Organisieren und Aufbauen geholfen, doch an diesem Tag habe ich mich im Hintergrund gehalten. Meine Akkus waren leer. Ich habe versucht, das Schulfest so entspannt wie möglich mit meiner Familie genießen zu können, was auch funktioniert hat. Abends beim Aufräumen war ich wieder dabei. Daß ich mich während des Tages zurückgehalten habe, war Selbstschutz und Selbstfürsorge, denn der Stress und die Hektik während des Tages am Verkaufsstand, hätte mir auch das letzte bisschen Energie geraubt.

Für den folgenden Tag hatte ich mir übrigens Urlaub genommen. So gut habe ich mich damals schon gekannt, dass ich wusste wie nötig der freie Tag für mich war. Vorher hatte ich mir noch eingebildet, ich würde den freien Tag nutzen und wie einige andere Mütter den Lehrern und Kindern helfen, die Schule und den Pausenhof wieder soweit herzurichten, dass alles seinen gewohnten Gang nehmen konnte..

Nein, an diesem Vormittag verkrümelte ich mich zu Hause und benötigte die Zeit für mich, um das Kopfkino auszuschalten, den vorherigen Tag zu verarbeiten und das Projekt gedanklich abzuschließen. Mein Energielevel war so gering und musste dringend aufgetankt werden.

Vieles habe ich schon damals intuitiv richtig gemacht. Und doch blieb oft das schlechte Gewissen, nicht gut genug zu sein und mehr leisten zu müssen – andere schaffen das ja auch…

Heute – mit dem Wissen darüber, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die so intensiv wahrnehmen und dass es Hochsensibilität wirklich gibt und ich mir all das nicht eingebildet habe, dass ich nicht komisch, schwach oder anders bin – agiere ich selbstbewusster, habe gelernt „nein“ zu sagen, verstecke meine Gefühle nicht mehr und versuche nicht mehr, mich länger selbst zu optimieren, sondern weiß dass ich gut genug bin!

Mit dem Schreiben über (meine) Sensibilität habe ich mir einen Traum erfüllt – fühlt sich gut an, dass er wahr geworden ist!

Liebe Grüße Daniela

P. S. Die Geschichte vom Schulfest habe ich ausgewählt, da ich damals zum ersten Mal bewusst gespürt habe, was Reizüberforderung bei mir auslösen kann…