Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen… meine persönliche Histamingeschichte

Mit schlotternden Knien, schwitzigen Händen und einem viel zu schnell klopfendem Herzen sitze ich auf dem Stuhl im Arztzimmer und warte. Die Arzthelferin hat gerade meinen Blutdruck gemessen und der ist, wie so oft sobald ich eine Arztpraxis betrete, zu hoch. Weißkittelsyndrom nennt man das…

Vor mir auf dem Tisch liegt ein Zettel – vollgeschriebenen mit Beschwerden, die mir schon längere Zeit zu schaffen machen und die – laut meiner Internetrecherche – alles Symptome einer Histaminintoleranz sind.

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Rumoren, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Magenstechen, Sodbrennen
  • häufig verengte und rinnende Nase (Fließschnupfen)
  • ständige Halsschmerzen
  • Schwindel
  • Hitzegefühl
  • Augenbrennen und geschwollene Augenlider
  • Herzrasen
  • PMS, Menstruationsbeschwerden
  • starke Müdigkeit

Der Arzt kommt herein, begrüßt mich und setzt sich hinter seinen Schreibtisch. Ich erzähle ihm von meinen immer wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen und meiner Vermutung, dass eine Histaminintoleranz der Auslöser dafür sein könnte.

Ganz ehrlich… er scheint nicht so begeistert von meinen Nachforschungen zu sein, auf die ich eigentlich so stolz gewesen bin, da mir endlich ein möglicher Grund offenbart wurde, warum ich so oft, teilweise ständig und manchmal auch ganz plötzlich von den oben aufgeführten Beschwerden heimgesucht werde.

Es ist Oktober 2012 und Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen sind noch nicht ganz so präsent und in aller Munde wie heute  7 Jahre später. So ein bisschen habe ich das Gefühl, der Arzt ist mit meiner Liste überfordert und mit Histamin scheint er sich auch nicht so wirklich gut auszukennen. Deshalb bekomme ich erstmal eine Überweisung für einen Laktose- und Fruktoseatemtest in einer gastroenterologischen Praxis.

Laktoseintoleranz war auch damals schon ein Thema und in den Supermärkten gab es nach und nach immer häufiger laktosefreie Milch und Joghurt. Von einer Fruktoseintoleranz hatte ich allerdings noch nicht gehört bzw. mich noch nicht näher damit beschäftigt.

Bingo… genau diese Fruktoseintoleranz war dann das Ergebnis meines Atemtests und mit der Unterstützung einer Ernährungsberaterin sollte ich nun eine 4 wöchige Auslassdiät machen – das heißt ich verzichte in dieser Zeit auf alle fruktosehaltigen Lebensmittel – hauptsächlich Obst, aber eben auch normalen Haushaltszucker, Honig und Co!

Erlaubt zum Süßen ist Traubenzucker und als absolute Naschkatze bekomme ich glücklicherweise von meiner Ernährungsberaterin einige entsprechende Kuchenrezepte…

Außerdem habe ich über einen Online-Handel noch einige mit Traubenzucker gesüßte Kekse und Ovomaltine nach dem Schweizer Orginalrezept – fruktosefrei – geordert! Ich liebe nämlich heiße Schoki bzw. heiße Ovo und es erinnert mich dann immer ein bisschen an unsere Skiurlaube in der Schweiz!

Wir haben mittlerweile kurz vor Weihnachten und im Nachhinein weiß ich gar nicht mehr, wie ich die Adventszeit so ganz ohne Lebkuchen und Plätzchenbacken überstanden habe… Okay, komischerweise hatte ich während meiner Auslassdiät gar nicht unbedingt Heißhunger auf Süßes – sondern auf Fleisch und Wurst, was eigentlich völlig untypisch für mich ist! Ich bin zwar kein Vegetarier, esse aber eher selten Fleisch und Wurst.

Es ist Sonntag der 23. Dezember und wir haben eine Spinatlasagne mit Parmesankäsekruste zum Abendessen vorbereit. Die Zutaten sind alle fruktosearm, also auch während meiner Diät kein Problem für mich. Ich liebe Spinatlasagne und an diesem Abend schmeckt sie auch wirklich besonders gut!

Doch schon während der Nacht bekomme ich immer mehr Kopfschmerzen , mir wird richtig, richtig übel sodass sich daraus eine heftige Migräne entwickelt – die leider erst am 2. Feiertag besser wird…

Heiligabend habe ich mehr oder weniger im Bett verbracht und seitdem nie mehr eine Spinatlasagne angerührt!

Für mich und auch für meine Ernährungsberaterin war nun aufgrund dieser heftigen Reaktion auf die Lasagne eindeutig, dass Histamin bei mir sehr wohl eine Rolle spielt und mein Körper ein zuviel an Histamin nicht abbauen kann – Spinat und Parmesankäse sind nämlich beide sehr, sehr histaminlastig und eigentlich ein no-go bei einer entsprechenden Intoleranz!

Viele Menschen reagieren auf Histamin mit einem juckendem, quaddeligen, roten Ausschlag – das hatte ich schon viele Jahre nicht mehr, dafür aber interessanterweise sehr häufig vor meiner ersten Schwangerschaft (2002). Auch damals konnte kein Arzt mir eine genaue Diagnose geben, warum oder gegen was ich allergisch reagiere.

Bei mir sind die im Vordergrund stehenden Beschwerden immer Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und mehr oder minder ausgeprägt alle anderen Symptome meiner weiter oben aufgeführten Liste.

Die Histaminintoleranz konnte bei mir im Laufe der Jahre nie 100 % von ärztlicher Seite diagnostiziert werden. Ein Urintest war negativ und ein Biofeldtest (wissenschaftlich umstritten) bei eine Heilpraktikerin brachte alle möglichen Allergien und Intoleranzen zum Vorschein, wobei Histamin auch dazu gehört hat, allerdings nicht so stark ausgeprägt.

Was genau ist denn nun eigentlich eine Histaminintoleranz?

Ich fange mal mit den Basics an:

Histamin ist ein natürlicher Stoff, der in verschiedenen Zellen des menschlichen Körpers gebildet wird und im Organismus als Botenstoff oder Neurotransmitter dient.

Das heißt, Histamin ist z. B. für die Abwehr von allergischen Reaktionen, für die Wundheilung, die Bildung von Magensaft, die Peristaltik im Verdauungstrakt, die Regulation der Körpertemperatur und des Blutdrucks zuständig.

Ein Zuviel an Histamin – durch histaminreiche Ernährung – wird normalerweise durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) im Dünndarm abgebaut. Bei Menschen mit einer Histaminintoleranz liegt ein Mangel an DAO vor – das heißt, das überschüssige (durch die Nahrung aufgenommene Histamin) kann nicht abgebaut werden und gelangt durch die Darmschleimwand in die Blutbahn.

Das überschüssige Histamin in unserem Körper wird meist schlagartig freigesetzt. Ursache hierfür können körperliche Anstrengung, seelischer Stress, Hormonschwankungen oder kleinere (und größere) Infekte sein. Die Symptome wie Quaddelbildung, Übelkeit oder Schwindel treten dann oft sehr plötzlich auf und ähneln einer allergischen Reaktion. Untersuchungen zeigen jedoch, dass keine Antikörper gebidet werden – deshalb spricht man bei einer Histaminintoleranz auch von einer Pseudoallergie.

Histaminhaltige Lebensmittel sind vor allem solche, die einen Reifungs- oder Gärungsprozess mitmachen – z. B. Käse, Wein oder Essig.

Bei mir ist es so, dass ich jungen Käse wie Gouda oder Morzarella gut vertrage, auf Alkohol verzichte ich seit einigen Jahren komplett und mit Essig (im Salatdressing) habe ich so meine Probleme….

Zum Glück gibt es das Enzym DAO in Tablettenform – eine halbe Stunde vor der entsprechenden Mahlzeit einnehmen und das Zuwenig an DAO sollte ausgeglichen sein, sodass überschüssiges Histamin abgebaut werden kann und die Symptome ausbleiben.

Histamin ist für mich der schlimmste Migränetrigger. Ich verzichte auf einiges und kenne meinen Körper mittlerweile ganz gut, sodass ich oft weiß, welche Lebensmittel okay sind und welche nicht. Auch die Fruktoseintoleranz spielt bei mir immer noch eine Rolle und ich vertrage bestimmte Obstsorten nur in kleinen Mengen . Das ist nicht immer einfach, wenn man Erdbeeren z. B. sehr gerne ißt, aber schon nach 3 Stück der Bauch anfängt zu grummeln…

Ich habe keine Patentlösung, doch mittlerweile so einige Dinge in meinen Alltag integriert, die das Leben mit Allergien und Intoleranzen ein bisschen „erträglicher“ machen – davon berichte ich gerne beim nächsten Mal!

Liebe Grüße Daniela

Meine Infos habe ich hauptsächlich entnommen aus dem Buch „Histamin – Genießen trotz Unverträglichkeiten“ von Heide Steigenberger aus dem Kneipp Verlag

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